ist Metaphysik?)6 vom Ereignis des Seins die Rede ist, wird noch das Sein genannt und zugleich Ereignis angedeutet. Sein ist das Ereignis in dem Sinne, daß Sein des Seienden nur west in der Vergessenheit des Unterschieds, als welche die Verweigerung das Ereignis selber ist.
o
Nennen wir, immer nur zur nachsten Verstandigung, den Unterschied die Differenz von Sein und Seiendem, dann besagt Sein immer schon und zumal: Was-Sein und Daß-Sein; diese Distinktion und Diskretion ruht in der zuerst genannten, wobei die Herkunft ganz dunkel und für alle Metaphysik unaufhellbar bleibt.
Der Unterschied. Stellen wir Sein im Unterschied zum Seienden vor, stellen wir Sein vom Seienden her aus der Abhebung gegen dieses als Abhub aus ihm vor, dann entfallt uns jedesmal im vorhinein der Unterschied selber; demgemäß stellen wir immer nur Seiendes in seinem Sein vor; wir denken weder Sein in sein Wesen, noch auch das Seiende als das Seiende in sein Wesen. Das Wesende beider ist der Unter-Schied selber; weder das Seiende noch das Sein reichen hin, den Unterschied zu erfahren.
Der Unterschied ist nicht das Dritte zu den beiden, aber auch nicht nur das Erste für beide; als dieses Erste wäre der Unterschied immer noch wie das Dritte vorgestellt: das zuerst vorweggenommene Dritte und darum ohne Ereignen seiner Wahrnis.
»Sein« ist Anwesen von Anwesendem. Doch Anwesen läßt sich von seinem Anwesenden her vernehmen: aufnehmen, vor-nehmen und ausnehmen (ausforschen - »stellen«). Man meint [?], um Sein zu denken, genug getan zu haben, wenn man das Anwesende als ein solches auf das Vernehmen zu (νοεῖν) anwesen läßt. Allein, so bleibt das Anwesen jederzeit | nach jeder Hinsicht wahrlos; denn der »Genitiv« der Herkunft von Anwesen »und« Anwesendem,
6 [Martin Heidegger: Nachwort zu »Was ist Metaphysik?« In: Wegmarken. GA 9. A.a.O., S. 303-312.]