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Kants Weise nach dem Ding zu fragen

Allgemeine nicht dasj enige bleiben, was nur überhaupt über dem Besonderen schwebt, sondern das Besondere muß als ein solches aus dem Allgemeinen als dem Axiomatischen nach Grundsätzen abgeleitet werden. Das besagt für die metaphysica generalis: Es muß in dieser grundsätzlich nach Axiomen, und zwar nach dem ersten Axiom, nach dem Schema des Setzens und Denkens überhaupt, entschieden werden, was zu einem Seienden als solchem überhaupt gehört, was die Dingheit eines Dinges überhaupt bestimmt und umgrenzt. Was ein Ding sei, muß im vorhinein aus den obersten Grundsätzen aller Sätze und des Satzes überhaupt, d. h. aus der reinen Vernunft, entschieden sein, bevor über göttliche und weltliche und menschliche Dinge vernünftig gehandelt werden kann.

Diese vorgängige und durchgängige Durchleuchtung aller Dinge hinsichtlich ihrer Dingheit aus der reinen Vernunft des vernünftigen Denkens überhaupt, die Aufhellung als dieses vor gängige Klarmachen aller Dinge ist Aufklärung, ist der Geist des 18. Jahrhunderts. In diesem Jahrhundert erlangt erst die neuzeitliche Philosophie ihre eigentliche Gestalt, in die Kants Denken hineinwächst und die auch sein eigenstes neuartiges Fragen trägt und bestimmt, die Gestalt der Metaphysik, ohne die auch die des 19. Jahrhunderts undenkbar wäre.


§20. Die rationale Metaphysik (Wolff, Baumgarten)


[87] Zwischen Descartes und der Aufklärung steht Leibniz. Aber er kam weniger in seinem eigensten Denken und Schaffen zur Wirkung als vielmehr in der Gestalt der durch ihn bestimmten Schulbildung in der Philosophie.

Während des 18. Jahrhunderts wurde in Deutschland das wissenschaftliche und philosophische Denken durch die Lehre und Schule von Christian Wolff (1679-1754) beherrscht. Seine philosophische Ausrüstung nahm er aus einer bestimmten Auslegung der Philosophie von Leibniz. Von hier aus erstrebte er


Martin Heidegger (GA 41) Einführung in die Metaphysik. Zu Kants Lehre von den transzendentalen Grundsätzen