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133. Das Wesen des Seyns

zu überspringen und anfänglich vom Seyn her und der Wahrheit zu fragen.

Im übergänglichen Denken jedoch müssen wir dieses Zwiespältige aushalten: einmal mit dieser Unterscheidung zur ersten Klärung einzusetzen und dann doch gerade diese Unterscheidung zu überspringen. Dieses Überspringen aber geschieht mit durch den Sprung als die Er-gründung des Grundes der Wahrheit des Seyns, durch den Einsprang in das Ereignis des Da-seins.


133. Das Wesen des Seyns*


Das Seyn braucht den Menschen, damit es wese, und der Mensch gehört dem Seyn, auf daß er seine äußerste Bestimmung als Da-sein vollbringe.

Wird aber das Seyn nicht abhängig von einem Anderen, wenn dieses Brauchen sogar sein Wesen ausmacht und nicht nur eine Wesensfolge ist?

Wie dürfen wir aber da von Ab-hängigkeit reden, wo dieses Brauchen gerade das Gebrauchte in seinen Grund umschafft und zu seinem Selbst erst überwältigt.

Und wie kann der Mensch umgekehrt das Seyn unter seine Botmäßigkeit bringen, wenn er doch gerade seine Verlorenheit an das Seiende daran geben muß, um der Er-eignete und Zugehörige zum Seyn zu werden.

Dieser Gegenschwung des Brauchens und Zugehörens macht das Seyn als Ereignis aus, und die Schwingung dieses Gegenschwunges in die Einfachheit des Wissens zu heben und in seiner Wahrheit zu gründen, ist das Erste, was uns denkerisch obliegt.

Dabei aber müssen wir der Gewöhnung entsagen, diese Wesung des Seyns als ein für jedermann jederzeit beliebig Vorstellbares sicherstellen zu wollen.


* vgl. Der Sprung, 166. Wesung und Wesen

GA 65