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§ 36. Welt als »Spiel des Lebens«

was im Dasein an Sein immer schon verstanden, obzwar nicht begriffen ist, und wenn wir das Ganze dieses verstandenen Seins als Welt bezeichnen, sind wir damit schon grundsätzlich über den kantischen Weltbegriff hinausgegangen, und zwar nicht nur im Sinne einer bloßen Erweiterung und Vervollständigung der Seinsgebiete. Welt ist das Ganze der Seinsverfassung, nicht nur der Natur und des geschichtlichen Miteinander und des eigenen Selbstseins und der Gebrauchsdinge, sondern die spezifische Ganzheit der Seinsmannigfaltigkeit, die im Mit-sein mit Anderen, Sein bei . . . und Selbstsein einheitlich verstanden ist. Aber Problem ist gerade die Ganzheit eines solchen auf das Dasein wesenhaft orientierten Ganzen; sie ist nicht gewonnen dadurch, daß wir etwa neben Kants Ontologie der Natur im weitesten Sinne eine solche des geschichtlichen Da-seins, der Gebrauchsdinge oder der Subjektivität setzen; mit all dem ist das wesentliche Problem schon hoffnungslos verloren. Was bestimmt werden muß, ist die spezifische Ganzheit des ganzen Seins, das je im Dasein verstanden ist, die innere Organisation dieser Seinsganzheit, die wir nicht von theoretisch ausgebildeten Ontologien her als eine Aufschichtung und ein Nebeneinander von Regionen fassen dürfen.2


§ 36. Welt als »Spiel des Lebens«


Wir Sahen: Kant spricht, wenn er den existenziellen Weltbegriff erläutern, bzw. mehr vorphilosophisch überhaupt seine Bedeutung kennzeichnen will, vom »Spiel des Lebens«. Er folgt da dem Sprachgebrauch, in dem jederzeit, wenn wir nur ein Ohr dafür haben, Philosophie beschlossen liegt, gleichsam noch gebundene Philosophie. Wie sollte es auch anders sein, wenn Philosophieren zum Wesen des Daseins gehört und in der Sprache


2 Die spezifische Ganzheit dieser metaphysischen apriorischen Spielregeln, die je ein faktisches Spiel des Lebens möglich machen.

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