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§ 19. Zeit und Zeitlichkeit

diese Begriffe entsprungen sind, das Zeitphänomen selbst anvisierten, wie weit dabei das ursprüngliche Zeitphänomen in den Blick genommen und wie sich von diesem zunächst gegebenen Zeitphänomen der Rückgang zur ursprünglichen Zeit vollziehen läßt.

Der Übersicht halber gliedern wir den § 19 in a) Historische Orientierung über den traditionellen Zeitbegriff und Charakteristik des diesem zugrundeliegenden vulgären Zeitverständnisses; b) Das vulgäre Zeitverständnis und der Rückgang zur ursprünglichen Zeit.


a) Historische Orientierung über den traditionellen Zeitbegriff und Charakteristik des diesem zugrundeliegenden vulgären Zeitverständnisses


Wenn wir historisch rückschauend die Versuche, sich begrifflich der Zeit zu bemächtigen, überblicken, dann zeigt sich, daß die Antike schon das Wesentliche herausgestellt hat, was den Gehalt des traditionellen Zeitbegriffes ausmacht. Die beiden fortan maßgebenden antiken Interpretationen der Zeit, die schon genannte des Augustinus und die erste große Abhandlung über die Zeit von Aristoteles, sind auch die weitaus umfangreichsten und wirklich thematischen Untersuchungen des Zeitphänomens selbst. Augustinus kommt auch in einer Reihe von wesentlichen Bestimmungen mit Aristoteles überein.

Die Abhandlung des Aristoteles über die Zeit findet sich in seiner Physik Δ 10, 217 b 29 - 14, 224 a 17. Wesentliche Ergänzungen zu seiner Zeitauffassung gibt er in den ersten Kapiteln von Physik Θ. Einige wichtige Stellen finden sich auch in De Anima, Buch Γ. Unter den antiken Zeitauffassungen hat noch diejenige Plotins eine gewisse Bedeutung Περί α'ιώνος καί χρόνου (Enneaden III, 7), »Über den Aeon und über die Zeit«. Aeon ist eine eigentümliche Zwischenform zwischen Ewigkeit und Zeit. Die Erörterung des Aeon spielt im Mittelalter eine große Rolle. Plotin gibt aber mehr eine theosophische

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