156
These der mittelalterlichen Ontologie

men wird, das Dasein und seine Verhaltungen, nicht eigens Problem wird, sondern daß die naive ontologische Interpretation auf die Verhaltungen des Daseins so zurückgeht, wie sie das alltägliche und natürliche Selbstverständnis des Daseins kennt. Die Ontologie ist dann nicht insofern naiv, als sie überhaupt nicht auf das Dasein zurückblickt, überhaupt nicht reflektiert — das ist ausgeschlossen —, sondern insofern, als dieses notwendige Zurückblicken auf das Dasein über eine vulgäre Auffassung des Daseins und seiner Verhaltungen nicht hinauskommt und somit diese — weil sie zur Alltäglichkeit des Daseins überhaupt gehört - nicht eigens betont. Die Reflexion verbleibt in den Bahnen der vorphilosophischen Erkenntnis.

Wenn die Rücksicht auf das Dasein und seine Verhaltungen zum Wesen der ontologischen Fragestellung und Interpretation gehört, dann wird auch die ontologische Problematik der Antike erst dann zu sich selbst gebracht und in ihrer Möglichkeit begriffen werden können, wenn mit der Notwendigkeit dieses Rückganges auf das Dasein Ernst gemacht wird. Dieser Rückgang ist im Grunde gar kein Rückgang, sofern das Dasein überhaupt dem Wesen seiner Existenz entsprechend je schon bei sich selbst ist, für sich selbst erschlossen ist und als solches immer schon dergleichen wie Sein eines Seienden versteht. Es bedarf nicht erst eines Rückganges zu ihm selbst. Diese Rede vom Rückgang rechtfertigt sich nur dadurch, daß in der naiven antiken Ontologie scheinbar das Dasein vergessen ist. Die ausdrückliche Herausarbeitung des Bodens der antiken Ontologie ist nicht nur für ein mögliches philosophisches Verständnis grundsätzlich möglich, sondern sie ist faktisch gefordert durch die Unvollkommenheit und Unbestimmtheit der antiken Ontologie selbst. Davon abgesehen, daß die Grundbegriffe selbst nicht eigens und ausdrücklich begründet sind, sondern einfach da sind, man weiß nicht wie, bleibt es vor allem dunkel, ob das, was die zweite These sagt, zu Recht besteht, und warum es zu Recht besteht: daß zu jedem Seienden

GA 24